Am 25. Juni ist Carmen gestorben

 

 

 

Ich hatte das Glück, mit Dir studieren und Deine Familie kennen lernen zu dürfen: Joke und Hilmar und natürlich Deinen Mann Siegmar, der immer Theater machte - beim Jungen Theater in Göttingen und unsere Diskussionspausen mit ironischen Bemerkungen über Gott und die Welt würzte. Was war das für eine aufregende Zeit!

 

Wo soll ich hin mit den traurigen Gedanken? Vielleicht hilft ein "Weiß Du noch?".

 

Wie ich Dich vor der Physiologieprüfung in Deinem Rollstuhl dort hinschob, wo Damen alleine sein wollen und ich vor dem Örtchen, das man das "stille" nennt, wartete, dann hineinging, um Dich zu holen und  just in diesem Augenblick der Professor, der uns prüfen wollte, vorbeikam und mich finster musterte? "Das wars mit der Prüfung!" sagte ich zu Dir. "Alles wird gut!" waren Deine Worte - und so kam es auch. Dein Optimismus, wie oft hat er einem gutgetan! 

 

Nicht gut erging es einem Frosch. Da saßen wir in der Physiologie bei den Medizinern vor einem Exemplar, dessen nervus ischadicus wir zu präparieren und am Oszillographen anzuschließen hatte, um Aktionspotentiale zu messen. Dazu mußte der Frosch von uns getötet werden. Der Frosch war klug und schaute uns an, wir schauten ihn an, hallo Kermit...großer Fehler!! Flugs hatte sich eine Beziehung aufgebaut. Probanden bringt man in der Psychologie nicht um! Was nun?

Joke kam und damit das Ende des Frosches. Sie wurde später Hebamme.

 

Begeisterung und Neugierde für alles Menschliche: Du hast sie nie verloren. Bei unserem letzten Treffen in Göttingen riefst Du aus:" Ich brauche Input!" Ja, Nummer fünf lebt und war unser Bruder.

 

Dein Rollstuhl war dabei nie ein Hindernis (ich habe Dich dafür bewundert): Rockin und rolling!

Zuletzt war er Dir aber eine Last, die nicht nur körperlich drückte.

 

Meine Frau hat in unserer Wohnung eine Ecke, wo immer eine Kerze steht für nahe Menschen, die von uns gegangen sind. Sie hat sie für Dich angezündet. Ich habe meine Gitarre genommen und das Lied "Schade, dass Du gehen mußt" von R. May gesungen, bis ein Würgen das Singen unmöglich machte. "Schade, dass Du gehen mußt, lang vor Deiner Zeit.....einfach so hinaus zu gehen, hast Du mal bedacht, was Dein Fortgehn uns, liebe Carmen, für einen Kummer macht!"  

 

So entsteht ein Bild in meinem Kopf: Wir stehen  auf einem Bahnhof und Du fährst ab, Dein Winken sehen wir noch lange.

 

Älter werden heißt vor allem, Verluste zu erleiden. Ist alles nur ein Gleichnis? "Ach," hättest Du uns lakonisch zugerufen:" Firlefanz, es ist alles gehopst wie gedopst!"

 

So fahre hin, wo Du hinfahren mußt. Deine Arbeit ist getan. Wir machen weiter und Du bleibst in unseren Gedanken. 

 

Klaus-Dieter, 1.7.2013

 

 

 

 

 

 

 

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